Anlaufstelle bei Gewalt im Sport: “Können nur Symptome behandeln” | NDR.de – Sport

Stand: 30.11.2022 21:53

Seit einem halben Jahr unterstützt eine unabhängige Anlaufstelle von „Athleten Deutschland“ Betroffene von zwischenmenschlicher Gewalt im Sport. Die ersten Monate zeigen, dass die Einrichtung dringend benötigt wird, aber nicht ausreicht.

von Anne Armbrecht und Hendrik Maaßen

Im Herbst erzielte „Start gegen Gewalt“ seinen ersten nennenswerten Publikumserfolg: Zwei Handball-Nationalspieler suchten wegen Vorwürfen gegen ihren Vereinstrainer bei Borussia Dortmund Hilfe bei der unabhängigen Beratungsstelle. Der Fall machte in den folgenden Tagen und Wochen landesweit Schlagzeilen. Als erstes wurde vom Trainer psychische Gewalt erwähnt. Endlich wurde der Trainer entlassen.

Anlaufstelle für Opfer zwischenmenschlicher Gewalt

Maximilian Klein von „Athleten Deutschland“ sagt: „Natürlich ist so ein Fall im Handball, wo sich viele Betroffene melden, ein Sonderfall. Aber es hat sehr deutlich gemacht, dass ‚Starten gegen Gewalt‘ funktionieren kann.“ In den vergangenen Monaten war nicht nur der Fall Handball aktiv und hatte Konsequenzen.


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“Angriff gegen Gewalt” ist einer unabhängige Anlaufstelle für Betroffene von zwischenmenschlicher Gewalt und Missbrauch im Spitzensport. Die von der Interessengemeinschaft „Athleten Deutschland“ ins Leben gerufene Konsultation hat ihre Arbeit erstmals im Mai 2022 aufgenommen. Ein halbes Jahr später rechnete “Athleten Deutschland” nach – und stellte die Ergebnisse dem Sportausschuss des Bundestages vor. Für Klein ist klar: Der Ansprechpartner hilft – vor allem, weil er als unabhängig gilt.

93 Hilfegesuche in einem halben Jahr

Zwischen Mai und Oktober 2022 registrierte die Kontaktstelle 93 Hilfeersuchen. Die direkt von der Gewalt Betroffenen stellen die größte Gruppe (60 Prozent). Ein weiteres Drittel erlebte oder vermutete Gewalt oder wusste von Gewalterfahrungen Dritter. Die Mehrheit der Hilfesuchenden waren aktive oder ehemalige Mannschaftssportler (63 %). 85 % waren Frauen. Die Wertung gibt keine Auskunft über bestimmte Sportarten.

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Die meisten Hilfegesuche beziehen sich auf frühere Gewalterfahrungen. Wiederholungen von Gewalt waren häufiger als einmalige Vorfälle. Von den 84 % war psychische Gewalt die häufigste Form von Gewalt, 40,7 % berichteten von sexueller Gewalt ohne Körperkontakt und 23,7 % von sexueller Gewalt mit Körperkontakt. Es gibt viele Arten von Gewalt.

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Eine Hand hält einen Türknauf © Szene

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Die meisten Betroffenen, die sich an die Anlaufstelle wenden, haben bereits versucht, die erlebte oder wahrgenommene Gewalt offenzulegen – in vielen Fällen im Rahmen des Leistungssports. Die Versuche seien laut “Athleten Deutschland” fast ausnahmslos gescheitert: “Zum Beispiel, weil die Verantwortlichen der Gewalt verharmlost, die von der Gewalt Betroffenen beschuldigt oder die Täter die Gewalt geleugnet haben.” Einige der Betroffenen erlebten auch negative Folgen für ihre sportliche Karriere.

Die Strukturen im Sport machen es den Betroffenen schwer

Sportliche Strukturen machen es den Betroffenen oft besonders schwer – vor allem der Leistungsdruck und spezifische Abhängigkeitsverhältnisse, etwa zwischen Sportlern und Trainern, aber auch Interessenkonflikte innerhalb von Vereins- und Verbandsstrukturen, die oft als Familie bezeichnet werden. . Dies geschah in den letzten Jahren immer wieder beispielsweise bei Beispielen aus dem Schwimmen, Handball, Tennis oder Turnen.

Betroffene können sich telefonisch oder per E-Mail an die Anlaufstelle wenden. Verfügbar für drei Stunden am Montag und Donnerstag. Neben der Beratung durch die drei Experten stellt die Anlaufstelle auch Kontakte für eine psychotherapeutische oder rechtliche Erstberatung her.

Telefon: 0800 90 90 444
Montag: 11.00 – 14.00
Donnerstag: 16:00 – 19:00
An nationalen Feiertagen nicht verfügbar
E-Mail: [email protected]

Nach der Bilanz von „Athleten Deutschland“ erfordert „Start Against Violence“ kurzfristiges Handeln, um Betroffenen im Spitzensport eine unabhängige Anlaufstelle zu bieten. Sie kann jedoch die strukturellen Probleme des Sports nicht lösen.

“Systemfehler konnte nicht behoben werden”

„Wir können mit der Kontaktstelle nur die Symptome behandeln“, sagt Klein. „Wir können die Opfer unterstützen. Auf Wunsch können wir auch Einfluss nehmen, in den Dialog mit den Verbänden treten. Aber wir können das Versagen des Systems nicht lösen, die grundlegenden strukturellen Probleme mit der Anlaufstelle.“ Dafür, so Klein, brauche es noch dringend eine eigene Einrichtung – ein Zentrum für „sicheren Sport“.

Eine vom organisierten Sport unabhängige Stelle könnte die Betroffenen nicht nur beraten, sondern – nach den Wünschen von „Athletes Germany“ – dann Ermittlungen einleiten und Sanktionen verhängen, Trainingsarbeit leisten und Schutzmaßnahmen kontrollieren.

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Das Zentrum könnte dann beispielsweise einen Trainer sperren, wenn er ihn wiederholt tätlich angreift, aber weil er im Sport erfolgreich war oder wegen einer Straftat nicht verurteilt werden konnte – niemand im Verein hatte sich jemals der gesetzlichen Beweislast gestellt. nicht genug In anderen Ländern wie den USA und der Schweiz gibt es bereits Vorbilder.

Der Verein „Sport Safe“ wurde gegründet

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung ein ähnliches Vorhaben in den Koalitionsvertrag aufgenommen. Nach einer Machbarkeitsstudie Anfang des Jahres wurde im November ein Förderverein für „Sport Safe“ gegründet – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Zentrum. Neben den Vertretern einflussreicher und professioneller Persönlichkeiten gehört „Athleten Deutschland“ auch zu den Gründungsmitgliedern.

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Das Programm umfasst folgende Themen:

Sport jetzt 30.11.2022 | 10:17 Uhr

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