Aufwind für die Drohnenbranche: Städte im Fokus

DDie deutsche Drohnenindustrie war bisher vor allem eines: ein Versprechen für die Zukunft. Die Drohnen werden bereits eingesetzt, um zum Beispiel nach vermissten Personen zu suchen, Pipelines zu inspizieren oder Medikamente zu transportieren.

Das wirkliche Potenzial – darin sind sich Experten einig – ist jedoch viel größer als das, was derzeit praktiziert wird. Mit der Veröffentlichung der Gesetzgebung im nächsten Jahr kann dieses Potenzial in städtischen Gebieten besser ausgeschöpft werden. Die Auswahl neuer Drohnen war ein großes Thema auf der europäischen Luftfahrtmesse Rotors, die heute in Köln begann.

Es geht um „U-Spaces“, das sind städtische Lufträume in Bodennähe, in denen Drohnen-, Helikopter- und Flugzeugflüge koordiniert werden. Sie sind nur wenige hundert Meter hoch – wie hoch genau, muss noch ermittelt werden. Sie befinden sich unterhalb der Höhe des Flugzeugs – es sei denn, das Flugzeug startet oder landet.

Im Gegensatz zum weiteren Luftraum, wo Flugbewegungen mit Radar überwacht werden, ist dieser Bereich gewissermaßen unreguliert – es gibt dort keinen Datenaustausch, der einen genauen Überblick über alle Flugbewegungen inklusive Drohnen bietet. Daher dürfen unbemannte Luftfahrzeuge eigentlich nur in Sichtweite des am Boden befindlichen Piloten fliegen. Ein unsichtbarer Flug ist möglich, aber der Genehmigungsprozess ist sehr komplex.

U-Spaces sollen das ändern, dort sollen Drohnen auch im Normalbetrieb außer Sichtweite fliegen dürfen. Um Kollisionen zu vermeiden, sollte der Standort des Flugkörpers für alle Beteiligten sichtbar sein. Der Dienstleister autorisiert den Flug und weist den Drohnenpiloten an, wohin er fliegen darf.

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„U-Spaces ist ein Meilenstein, um unbemannte Luftfahrzeuge besser in den Luftraum zu integrieren“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Anja Troff-Schaffarzyk. Größere Drohneneinsätze ohne U-Spaces werden sich auf Spezialanwendungen beschränken, sagt Susanne Menge von den Grünen. „Wenn es um andere sich wiederholende Drohnenmissionen geht, geht es nicht ohne die Bereitstellung von U-Spaces.“

Die EU-Kommission hat in den Rahmenverordnungen festgelegt, dass die Arbeiten bereits Ende Januar beginnen können. Wie genau dies geschieht, bleibt den Mitgliedstaaten überlassen. Laut Bundesverkehrsministerium sollen im nächsten Jahr Vorschläge für eine U-Space-Gesetzgebung vorgelegt werden. Bis zum Ende des Gesetzgebungsverfahrens kann ein „Reallabor“ für Forschungszwecke benannt werden. Dies geschieht 2021 im Hamburger Hafen, in Ingolstadt wird an einem weiteren Reallabor gearbeitet.

Laut Achim Friedl vom Verein für unbemannte Luftfahrt (UAV DACH) könnten die ersten U-Spaces im Herbst 2023 starten. „U-Spaces könnten ein großer Schritt nach vorne sein, damit Drohnen häufiger als bisher zum Einsatz kommen.“ Das Flugzeug kann dann in Economy ankommen und auch den Service für den Handwerker übernehmen, wenn zum Beispiel ein Dachdecker aus der Ferne ein Update bekommen möchte.

Auch Drohneninspektionen von Strom- und Gasleitungen könnten deutlich vereinfacht und der Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen im medizinischen Bereich zunehmen. „Wenn während einer Operation eine Gewebeprobe entnommen wird und diese schnellstmöglich untersucht werden muss, weil in einem abgelegenen Labor der Verdacht auf einen bösartigen Tumor besteht, kann die Transportzeit mit einer Drohne im Vergleich zu einem Autokurier deutlich verkürzt werden.“ Allerdings befürchtet Friedl, dass die Gebühren so hoch sein werden, dass sich das für viele Anwendungen nicht lohnt. “U-Spaces dürfen keine Barrieren sein, die das Wachstum verlangsamen und den Fortschritt blockieren.”

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Das Frankfurter Unternehmen Droniq positioniert sich als U-Space-Dienstleister – der Dienstleister der Deutschen Flugsicherung und der Deutschen Telekom ist bereits in der Branche aktiv. Firmenchef Jan-Eric Putze betonte, dass die Kosten für den Fremdbetrieb unklar seien, auch weil die Größe der U-Spaces nicht vom Gesetzgeber festgelegt worden sei. Größer sei besser, weil die Nutzung des Luftraums dann wirtschaftlich attraktiver werde, sagte Putze. Zur Preisgestaltung sagte der Manager, es sei im Interesse von Droniq, dass die Nachfrage nach Flügen steige.

Grünen-Politikerin Menge sagte, U-Spaces müssten zunächst subventioniert werden, „um überhaupt weiterzumachen“. Letztendlich müsse dieses Geschäft jedoch unabhängig sein, betonte er.

Laut Chef Droniq Putze werden U-Spaces der Startschuss für ein rasantes Wachstum der Drohnenindustrie sein – vorausgesetzt, das Gesetz ist klar definiert und uneingeschränkt. Vorbehalte bei den Anwohnern seien bedauerlich, sagte er. “Der Don soll nicht heimlich Nachbarn fotografieren, sondern das Leben in seinen verschiedenen Aspekten verbessern.” So wie Flugzeuge einst als Erfindung skeptisch betrachtet wurden und sich später als sicheres Fortbewegungsmittel etablierten, sind Drohnen heute auf dem Weg, ein anerkanntes und zuverlässiges Fortbewegungsmittel zu werden.

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Ein Drohnenhersteller, der große Hoffnungen in die Innovation setzt, ist Quantum Systems aus dem bayerischen Oberpfaffenhofen. „Die erfolgreiche Einführung von U-Spaces wird der Drohnenindustrie Flügel verleihen“, sagte Firmenchef Florian Seibel. Anstatt dass ein Pilot in einem Auto fährt, anhält und dann in Sichtweite eine Drohne fliegt, um Bahngleise oder Pipelines zu überwachen, kann er dies künftig einfacher und effizienter aus der Ferne tun. Technisch ist das schon lange gut und durchaus machbar. “Es ist an der Zeit, dass der Gesetzgeber endlich nachzieht.”

Werden Drohnen in ein paar Jahren ein alltäglicher Anblick sein, wenn man in den Himmel schaut? Wird es ein großes Geschäft, wenn damit auch Lebensmittel und andere Waren zum Käufer gelangen? Volker Gollnick von der Technischen Universität Hamburg schüttelte den Kopf. „Drohnen werden in Deutschland noch lange ein Nischenmarkt bleiben“, sagte der Professor. Inspektionsflüge zu Infrastruktur, Gebäuden, Stromleitungen, Eisenbahnen oder Industrieanlagen werden zunehmen und Lufttaxis werden eingeführt, und U-Spaces sind dafür eine unverzichtbare Basis. Dass Lieferdrohnen zu Verbrauchern fliegen und Waren ausliefern, wird allerdings nicht so schnell gehen.

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