Das Ende der Sprachlosigkeit – ein Hoffnungszeichen für die Welt

Es hat eine schlimmere Woche für die Weltgemeinschaft gegeben: In den USA setzten die demokratisch gesinnten und gemäßigten Mächte ein Lebenszeichen, indem sie den fanatischen Kandidaten des Trump-Lagers gleichzeitig in einer Reihe durchfallen ließen. Die langjährige demokratische Normalität ist in den führenden westlichen Mächten nicht mehr die Norm.

In der Ukraine erlitt Warlord Wladimir Putin einen Rückschlag: In Cherson wie in Charkiw hat die ukrainische Armee diejenigen Lügen gestraft, die glaubten, ein erfolgreicher Angriff auf den russischen Aggressor sei unmöglich.

Die Botschaft der drei Treffen: Es gibt sie noch, die Gesprächsbereitschaft zwischen demokratisch gesinnten und autokratisch geführten Ländern. Der multilaterale Ansatz existiert immer noch, wenn auch in rudimentärer Form. Und vor allem: Es gibt sie noch, gemeinsame Interessen, die Kompromisse überhaupt erst möglich machen.

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Weltweit macht sich Kriegsmüdigkeit breit, Putin kann seine Verbündeten nicht mehr sichern. Ergo: Putin wird zunehmend isoliert.

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Diplomatische Kanäle werden wieder geöffnet

Dies ist kein Konsens, auf dem eine neue und grundlegende Weltordnung aufgebaut werden kann. Aber es ist eines, das zumindest diplomatische Kanäle wieder öffnet – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Das bisherige Patt, insbesondere zwischen den verfeindeten Weltmächten China und den USA, ist zumindest vorerst überwunden. Diese Entwicklung basiert auf einem neuen Konsens, dessen Folgen nicht zu unterschätzen sind: Niemand darf sich als Sieger des russischen imperialistischen Krieges sehen.

Nicht China, das sich zunächst einen strategischen Vorteil ausrechnete, weil dieser Krieg den Westen erstens schwächen und zweitens spalten könnte. Beides geschah nicht, zumindest nicht im erwarteten Ausmaß. Nicht Indien, das wie China zunächst von billigen Energieimporten aus Russland profitierte, aber zunehmend die langfristigen wirtschaftlichen Folgen dieses Krieges fürchtet.

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Nicht die Mehrheit der Entwicklungs- und Schwellenländer, die zunächst weder vom US-amerikanischen noch vom chinesischen Lager ausgebeutet werden wollten, nun aber steigende Nahrungsmittel- und Energiepreise und einen starken Dollar erleben. Gewinne bei den weltweiten Safe-Haven-Währungen erschweren es den Entwicklungsländern, die immer noch viel in Dollar schulden, ihre Schulden zu bedienen.

Die nukleare Bedrohung ist alles andere als förderlich für das Geschäftsklima

Alles in allem hat die Welt erkannt, dass Putins nukleare Drohung dem Geschäftsklima in der ohnehin schwächelnden Weltwirtschaft nicht förderlich ist. Dies gilt bisher nicht nur für Europa, das eine echte Energiekrise durchmacht und neben Russland und natürlich der Ukraine zweifellos die Hauptopfer dieses Krieges sind.

Putins Krieg führte zu einer chaotischen Neuordnung der Weltenergiemärkte – mit gravierenden und teilweise unvorhersehbaren Folgen für viele Branchen und ganze Volkswirtschaften. Mit diesem Krieg will das Regime in Moskau der ganzen Welt eine neue Weltordnung aufzwingen: Nicht mehr multilaterale Regeln sollen gelten, sondern nur noch die stärksten Gesetze, oder besser gesagt: die gewalttätigsten. Mit diesem Krieg will Putin die ganze Welt auf eine Seite zwingen.

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Putin ist jetzt einsam

Tatsächlich ist ihm das nun gelungen, wie der jüngste Gipfel zeigt. Allerdings nicht wie beabsichtigt: Putin ist jetzt einsam. Auch wenn Peking Moskau noch nicht vollständig den Rücken gekehrt hat, sind die Signale – insbesondere in Bezug auf Putins nukleare Drohungen – sehr deutlich.

All das bedeutet natürlich nicht, dass sich die G20 zu einer Art Weltregierung entwickeln kann. Dies war und bleibt unrealistisch in einer Situation, in der sich sowohl die Vereinigten Staaten als auch China in einem epochalen Kampf um die Weltherrschaft befinden und sich gegenseitig auseinanderschneiden wollen.

Wladimir Putin

Allein vor dem Fernseher.

(Foto: IMAGO/SNA)

Der Trend zur weltweiten wirtschaftlichen Fragmentierung ist intakt. Aber wer sich diesem Trend entgegenstellen will – und das ist sicherlich im wirtschaftlichen und politischen Interesse Europas – sollte ein Format wie die G20 wiederbeleben.
Denn der noch so schwierige Dialog zwischen den Industrieländern und den sich schnell entwickelnden Ländern ist immer noch besser als jeder Monolog der G7-Staaten, deren Gewicht in der Weltwirtschaft rapide abnehmen wird.

Ein Pessimist könnte einwenden: Die Gipfelerklärung sind nur Worte. Sie können nach ihren Taten beurteilt werden, Gipfelteilnehmer. Das stimmt auch. Aber die Überwindung des Schweigens ist eine Voraussetzung für den Kompromiss, der solche Handlungen ermöglicht. Und sicher: Es wird schlimmere Wochen geben.

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