Hamburg: Reaktionen auf Hafenentwicklungsplan – „Es fehlt eine ehrliche Analyse“

HHafenexperten haben WELT AM SONNTAG eine erste Einschätzung zum Entwurf des neuen Hafenentwicklungsplans vorgelegt. Anfang Dezember sollen sich die beteiligten Verbände dazu offiziell äußern. Der neue Hafenentwicklungsplan ersetzt das letzte derartige Papier aus dem Jahr 2012.

Die Reaktionen waren unterschiedlich: „Der Entwurf des Hafenentwicklungsplans bietet dem Hamburger Hafen keine Perspektive im harten internationalen Wettbewerb“, kritisierte Götz Wiese, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Viele Einzelmaßnahmen sind aufgelistet, die im Detail bleiben, aber es gibt keine ehrliche Analyse des Wettbewerbs, und es gibt keine Antwort auf die große Frage: Wie kann Hamburg im Wettbewerb bestehen, um den Wohlstand unserer Stadt zu sichern, und was sind Investitionen für diese Zeit benötigt.”

Auch der Umweltverband Nabu kritisierte den Entwurf trotz aller positiven Elemente: „Der Hafenentwicklungsplan ist aus Hamburger Sicht vor allem eine Zustandsbeschreibung mit ‚Go-Award‘“, sagte Malte Siegert, Vorsitzender des Nabu Hamburg, „ohne ernsthaft darüber nachzudenken wirklich große globale Entwicklungen beinhalten Planung – oder andere bestehende Ziele wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Ressourcenschonung, Landschutz, Biodiversität.“

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Hafenentwicklungsplan 2040

Siegert befasste sich unter anderem mit zunehmendem Schlick in der Unterelbe. Umweltverbände lehnen die jüngste neunte Elbvertiefung weiterhin als falsch ab. Sie sehen sich nun in ihrer ersten Einschätzung bestätigt, dass ein größeres Fahrwasser automatisch mehr Sediment in die Unterelbe bringt. „Beispielsweise werden neben Hamburgs Binnenlage auch – klimafreundlichere – lange Sea-to-Water-Reisen genannt“, sagt Siegert. „Der Widerspruch zwischen der latenten Schädigung der Elbe durch Baggerarbeiten und dem Fehlen eines Plans für ein länderübergreifendes Sedimentmanagement bleibt unausgesprochen.“

Der Verband Hamburger Hafenbetriebe (UVHH) hebt in dem Entwurf „viele gute Ansätze“ hervor: „Im Gegenteil, wir kümmern uns um die vielfältigen Nutzungsbedürfnisse des Hafens“, sagt Hauptgeschäftsführer Norman Zurke. „Andere Gewerbe werden künftig verstärkt am Hafen angesiedelt. Wichtig ist uns, dass Tiefwasserbereiche für Seeschiffe vorrangig für den Betrieb des Unternehmens eingeräumt werden.“

Ein wichtiges Langzeitthema ist aus Sicht des UVHH die Balance zwischen den Bedürfnissen der Hafenwirtschaft und der Stadtentwicklung, insbesondere im Wohnungsbau. Vor allem im östlichen Teil des Hafens, am Fuße des Hafencity-Hügels, rücken Hafen und Quartier nun noch enger zusammen.

„Grundsätzlich sollten in Häfen nur Unternehmen angesiedelt werden, die wirklich nah am Wasser sein müssen“, sagte Zurke. „Wir kritisieren in diesem Zusammenhang, dass der Fokus auf Neuansiedlungen liegt. Der Hafenentwicklungsplan soll aber auch bestehenden Unternehmen eine langfristige Perspektive bieten.“

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Der Hamburger Hafen wird bis 2040 klimaneutral sein, mehr als ein Drittel des heutigen Aufkommens bewältigen und als Zentrum der hochdigitalen und innovativen maritimen Wirtschaft Europas fungieren. Das sind einige der Kernaussagen des seit Monaten erwarteten vertraulichen Entwurfs des Hafenentwicklungsplans 2040, der WELT vorliegt.

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Hamburgs Wirtschaftsbehörde und Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) haben das Dokument in der vergangenen Woche an die an der Entwicklung der Hafenstrategie beteiligten Verbände versandt. Sie haben noch etwa zwei Wochen Zeit, sich zu äußern.

Die zuständigen Behörden haben sich dann endgültig auf den Hafenentwicklungsplan geeinigt, der Senat hat darüber entschieden und ihn der Bevölkerung zur Kenntnis gegeben. Dem Entwurf ging ein intensiver Beteiligungsprozess voraus, in den Bürgerinnen und Bürger auch digital eingebunden wurden.

Das Dokument enthält den ersten Teil von 41 Seiten, wo die Situation des Hafens und seine Entwicklungsperspektiven für das nächste Jahrzehnt skizziert werden. Der zweite Teil beschreibt auf 46 Seiten die Umsetzung der gewünschten Maßnahmen, beispielsweise bei Digitalisierung, Infrastruktur oder Klimaschutz, aber auch im Zusammenspiel von Hafen- und Stadtentwicklung. Der Hafen wird auch als Logistikdrehscheibe ausgebaut, um den E-Commerce auszubauen.

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Klimaneutraler Hafen bis 2040

Der Hafenentwicklungsplan kontrastiert deutlich mit dem Thesenpapier der „Hamburger Konvention“ von vor wenigen Tagen, das eine breitere Nutzung des Hafengebietes für wissenschaftliche Zwecke vorschlägt und eine Stagnation der Zahl der Hafenbetriebe für vertretbar hält.

Anders sieht es im Bebauungsplan aus: „Insgesamt zeigen die vielen Beiträge zum Hafenentwicklungsplan das klare Bekenntnis der Stadt zu ihrer maritimen Zukunft und zur Modernisierung des Hafens.“ Einer der Schwerpunkte ist der klimaneutrale Hafen. bis 2040. „Der Hamburger Hafen reduziert die Treibhausgas- und Schadstoffemissionen bei Umschlag und Transport deutlich, um den Betrieb ab 2040 CO auszugleichen2– um es neutral zu machen”, sagte er. „Dies geschieht mit einem technologieoffenen Ansatz, der auf das Innovationspotenzial des Standorts setzt.“ Der Senat setzt unter anderem auch auf Landstromanschlüsse an allen Hamburger Containerterminals.

Im Jahr 2021 wird Hamburg insgesamt 129 Millionen Tonnen Güter umschlagen. „Perspektivisch ist von einer moderaten Umsatzsteigerung auszugehen. Die von der HPA in Auftrag gegebene Umschlagsprognose prognostiziert im Basisszenario ein Marktpotenzial von 176,7 Millionen Tonnen für alle Umschlagsgüter bis 2035.

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