“Kinder unserer Welt”: Herrlicher Bildband zum Weltkindertag | NDR.de – Kultur

Stand: 20.11.2022 06:00 Uhr

Am Weltkindertag machen mehrere Organisationen auf die dramatische Situation von Kindern in vielen Regionen der Welt aufmerksam. Kindern eine Stimme geben, Geschichten aus Kinderleben erzählen – das ist auch die Idee des neuen Fotobuchs „Children of Our World“.

von Juliane Bergmann

Mitten in der Aufregung saß ein mongolisches Mädchen, Toja, am Tisch. „Puh, Erwachsene sind irgendwie anstrengend“, schien er zu denken. Wie alle anderen hatte sich Toja für das Nationalfest von Naadam herausgeputzt. Die Kleine trägt ein seidenes, glitzerndes Kleid und zwei strassbesetzte Schleifen im Haar. Sportwettkämpfe in Disziplinen wie Wrestling, Bogenschießen und Pferderennen stehen kurz vor dem Beginn. Toja ist das egal. Interessanter für sie: süßes Gebäck auf der Festtafel. Als niemand hinsah, griff er nach einem großen Stück, das sein halbes Gesicht bedeckte, und biss es ab.

Erstaunliche Schwarz-Weiß-Aufnahme

Erstaunlich, wie spontane Szenen wie diese vom Fotografen Mario Marino für den Bildband „Children of Our World“ in Schwarz-Weiß festgehalten wurden. Wenn wir zurückdenken, erinnern wir uns alle an Zeiten, in denen uns die Welt um uns herum ein Rätsel war. Und wir sind mittendrin: Entdecker, die Dinge ausprobieren, Fragen stellen, nehmen, was sie fühlen, stolz sein, wenn sie etwas Neues lernen.

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Die Bilder zeigen mal nachdenkliche, mal sorglose, mal verschmitzte Kinder. Ein Junge in Militäruniform schlurft durch die alljährliche „Bravade“-Parade in Saint-Tropez. Gedankenverloren schnaubte er tief. Auf einem anderen Foto sehen wir ein Mädchen mit verfilzten, sommersprossigen schwarzen Haaren und runden Augen. Es hielt einen kleinen Hund in beiden Händen, wie einen Schatz. Und wieder spricht das Bild: “Ich kümmere mich um dich, versprochen.”

“Zeitalter der menschlichen Raupe”

Eine weitere Einstellung: eine Gruppe von Jungen, Novizen in einem Kloster, die im Halbschatten stehen. Der ältere Teenager bemalte das jüngere Gesicht sorgfältig mit schwarzem Ruß und umrandete die Augenbrauen und den Mund. Rituale, die von der Gruppe offensichtlich ernst genommen werden. Ein paar Sonnenstrahlen fielen auf seine nackten Schultern und verliehen der Bewegung eine malerische Qualität.

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„Ich nenne es die Zeit der Menschenraupe“, schreibt Kinderbuchautor Helme Heine in einem Vorwort über die Kindheit, „in der alles möglich scheint, Märchen Realität sind und sich das Reale wie ein Traum anfühlt. Nie war der Mensch mächtiger.“

Fotografen, die die Welt bereisen, lassen die Nöte des Kinderlebens in manchen Regionen der Welt nicht. Amidou zum Beispiel schaut müde, aber freundlich in die Kamera. Er füllt sein schmutziges Fass einfach durch einen Schlauch mit Trinkwasser. Jeden Tag läuft er mehrere Kilometer barfuß durch den staubigen Sand Mauretaniens, um seiner Familie Wasser zu bringen. Was für eine Belastung für kleine Hände.

“Kinder unserer Welt”: unverstellte Bilder von Kindern

Die Anordnung der Bilder wirkt wild gemischt, nicht nach Alter, Herkunft oder Religion der abgebildeten Kinder geordnet. Ein interessanter Effekt: Dadurch kategorisieren wir beim Browsen nicht. Wir schauen uns hauptsächlich Gesichter an und was sie in diesem Moment fühlen.

„Ich versuche, das Leben der Menschen zu lesen“, sagt Mario Marino über seine Bilder. Er arbeitet sorgfältig – das merkt man. Kinder sind offen, unverstellt und ganz im Moment. Wann werden wir Erwachsenen es vergessen?

Kinder unserer Welt

von Mario Marino

Buchseite:
256 Seiten
Genre:
Bilderbuch
Verleger:
Nachrichten
Bestellnummer:
978-3961714100
Preis:
60 €

Diese Themen im Programm:

NDR Kultur | 20.11.2022 | 16:20 Uhr

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