Kriselndes Löwen-Imperium: Kofler und Dümmel bei Social Chain

Vor einem Jahr träumten ehemalige Show-Rivalen von einem milliardenschweren Joint Venture. Nun wurden Georg Kofler und Ralf Dümmel zu Risk Managern der Social Chain AG befördert.

Obwohl er einst einen Konkurrenten zeigte, ist er heute Krisenmanager der eigenen Firma, Georg Kofler und Ralf Dümmel.

Obwohl er einst einen Konkurrenten zeigte, ist er heute Krisenmanager der eigenen Firma, Georg Kofler und Ralf Dümmel.
DPA

Es sollte ein Jackpot sein. Vor rund einem Jahr gaben Georg Kofler und Ralf Dümmel eine „Löwenhochzeit“, eine Fusion ihrer Unternehmen, bekannt. Was ist die Vision der beiden Juroren in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“? Ambitionen: Koflers E-Commerce-Konzern Social Chain und Dümmels Konsumgüterkonzern DS, so erklärte er damals in einem Interview mit Gründerszene, sollten „Milliardenkonzerne“ werden. Es ist sozusagen eine perfekte Symbiose aus Online- und Offline-Transaktionen.

Investoren der börsennotierten Social Chain AG feierten den Deal zunächst. Innerhalb weniger Wochen stieg der Kurs um ein Drittel und erreichte im November 2021 mit 54 Euro einen neuen Höchststand. Für TV-Löwe ​​und DS-Präsident Ralf Dümmel schien das alles eine eklatante Angelegenheit zu sein. Der größte Teil der 220 Millionen Euro, die Kofler ihm für sein Handelsunternehmen zahlte, wurde größtenteils in Aktien der Social Chain AG beglichen. Die Marktkapitalisierung des Konzerns betrug damals 620 Millionen Euro.

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Heute sind nur noch wenige übrig. Umgekehrt: Ralf Dümmel, der in den 1970er Jahren als Vertriebsassistent bei DS Produkte anfing und später Gesellschafter und Geschäftsführer des Unternehmens wurde, würde sich heute fragen, ob er den Deal nicht nutzte, um sein Leben zu feiern. Der Job und der seines verstorbenen Adoptivvaters, DS-Gründer Dieter Schwarz, stehen auf dem Spiel.

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Verlustexplosion

Die finanzielle Lage der Social Chain AG sieht jedenfalls bedrohlich aus. Mit der Übernahme der DS-Gruppe verdoppelte sich der Umsatz im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr auf 224 Millionen Euro. Allerdings explodierte der Verlust von 8,7 Millionen auf 51,6 Millionen Euro.

An seinem Unglück ist der Konzern selbst schuld: kriegsbedingte Inflation, Unterbrechungen der Lieferketten und steigende Rohstoffpreise. Aus anfänglicher Euphorie über die soziale Kette sei laut Manager Magazin “Ernüchterung und Verwirrung” geworden. Die Aktie ist seit November 2021 um etwa 90 % gefallen. Aktuell notiert sie knapp unter 6,30 Euro. Wie hoch ist der Börsenwert der Gruppe? Wir sind 92 Millionen Euromeilen von unserem Traum von 1 Milliarde Dollar entfernt.

Ein radikales Sparprogramm, das der Konzern seit Wochen forciert, bekommt nun eine Umkehrung. Die Kosten werden um bis zu 30 % reduziert. „Durch Synergien, Kosteneinsparungen und eine effizientere Organisation“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Konzerns. Den Anfang machte DS-Präsident Ralf Dümmel vor wenigen Tagen. Wie das Hamburger Abendblatt erstmals berichtete, hat sie 30 Stellen von insgesamt 500 Stellen gestrichen. Betroffen waren Mitarbeiter in Vertrieb, Marketing, Logistik und Einkauf. In der Branche seien weitere Ausnahmen zu erwarten, heißt es.

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Medienberichten zufolge wollen soziale Ketten auch ihre eigenen Bestände räumen. E-Commerce-Gruppen erwerben regelmäßig Unternehmen, die ihre Produkte über soziale Medien wie Instagram verkaufen, um Geld zu verdienen. Zum Portfolio der Social Chain AG gehören die Grillmarke Landmann, der Stoffladen Urbanara und die Bio-Marke Clasen Bio. Letztere und fünf weitere Beteiligungen, darunter Ravensburger Matratzen und die Berliner Videoproduktionsfirma DEF Media, will der Konzern laut Halbjahresbericht veräußern. Die Social-Kette hat bereits im Frühjahr den größten Teil ihrer Anteile am Nuss-Onlineshop Koro verkauft.

CEO-Exit der sozialen Kette

Aber das ist nicht genug. Aus Mitarbeitersicht reichen die Folgen wirtschaftlicher Probleme bis zum Top-Management. Wie der Konzern am Mittwoch mitteilte, wird der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende und größte Anteilseigner Georg Kofler zum 1. Januar 2023 die Spitzenposition von Social Chain übernehmen.

Der bisherige CEO Wanja S. Oberhof wird die Aktivitäten der Gruppe in den Vereinigten Staaten übernehmen. „Ich habe gelernt, dass nur ein ausschließlicher Fokus auf Internationalisierung zum Erfolg führen kann, was in meiner Funktion als CEO unmöglich ist“, wird Oberhof in einer Stellungnahme zitiert. Es ist ein guter Ausdruck der Entrechtung des kürzlich gescheiterten Geschäftsführers.

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Georg Kofler, der die Sender Premiere und ProSieben leitete, scheint nun zu glauben, dass er es besser kann. Er habe in seinem Berufsleben „oft erlebt und bewiesen, dass gerade unter dem Druck einer Krise neue unternehmerische Chancen entstehen“, sagt Kofler. Künftig bildet er zusammen mit CFO Andreas Schneider den Verwaltungsrat der Social Chain AG. Mit seinem Wechsel schied auch der bisherige Vorstandsvorsitzende Oberhoff aus dem Vorstand aus. Dafür hat sich der Konzern weitere Finanzierungszusagen von Banken in Höhe von 125 Millionen Euro gesichert.

Und Ralph Durmel? Auch er verliert im Zuge der Sparmaßnahmen an Macht. Nach nur einem Jahr wird Dümmel sein Vorstandsmandat bei der Social Chain AG aufgeben und fortan nur noch die Geschäfte der DS-Gruppe führen. Der Löwe scheint damit im wahrsten Sinne des Wortes leben zu können. „Die Ärmel hochkrempeln, Produkte finden, Innovationen vorantreiben und den Vertrieb über alle Kanäle organisieren – das ist mein Leben“, sagt er.

Zumindest scheint das für Investoren der Fall zu sein. Die Aktie der Social Chain AG stieg nach der Veröffentlichung der Änderung um 5 %.

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