Wie Römerstraßen den heutigen Wohlstand prägten

Obwohl das Römische Reich vor weit über 1.500 Jahren endete, hatte sein Straßennetz eine nachhaltige Wirkung: Die Lage einer Römerstraße lässt sich immer noch am Wohlstand eines Ortes oder einer Region ablesen, haben Forscher herausgefunden. Trotz der vielen politischen und wirtschaftlichen Umbrüche seit der Spätantike hat das römische Erbe die wirtschaftliche Entwicklung der meisten Regionen nachhaltig geprägt.

Das römische Straßennetz war in der Antike einzigartig: Es erstreckte sich über 80.000 Kilometer und durchzog ganz Europa sowie Teile Nordafrikas und Zentralasiens. Im Gegensatz zu den Trampelpfaden und unbefestigten Straßen der meisten anderen Kulturen der damaligen Zeit waren römische Straßen mit Steinplatten gepflastert und hatten oft ein Bett, das mit losen Steinen und Sand und Seitenbordsteinen gefüllt war.

Damals und heute im Vergleich

Ursprünglich vor allem für den Transport von Soldaten und militärischer Ausrüstung gedacht, wurden Römerstraßen im Laufe der Zeit zu wichtigen Durchgangsstraßen für Handel und Warentransport über weite Strecken. Entlang dieses Straßennetzes entstanden neue Handelsposten und Städte, während bestehende Siedlungen und Städte vom Güterverkehr und der Anbindung an das Straßennetz profitierten. Während des Mittelalters und darüber hinaus änderte sich die politische Landkarte Europas jedoch erheblich. „Straßen gibt es schon lange nicht mehr, und das poströmische Chaos in Westeuropa war eine Gelegenheit, die Wirtschaftsstrukturen vollständig zu verändern“, sagt Co-Autor Ola Olsson von der Universität Stockholm.

Auch Lesen :  Wissenschaft muss mehr Gehör finden

Olsson, Erstautor Karl-Johan Dahlgaard von der Universität Kopenhagen und ihre Kollegen haben nun untersucht, ob Römerstraßen trotz dieser Veränderungen noch einen heute nachweisbaren Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung von Regionen und Städten haben. Dazu verglichen sie alte Karten des römischen Straßennetzes mit nächtlichen Satellitenbildern. Denn die Intensität der künstlichen Beleuchtung kann erste Hinweise auf den Wohlstand einer Region geben. Außerdem bestimmten die Wissenschaftler auf ihrer Karte für einzelne Rasterzellen die Dichte römischer Straßen in der Antike und verglichen sie mit der heutigen Infrastruktur, Bevölkerungsdichte und Wirtschaftstätigkeit.

Auch Lesen :  Dieses Handy für 170 Euro springt auf Platz 1 der Verkaufscharts

Bis heute sichtbare Auswirkungen

„Angesichts der Tatsache, dass seit der Antike viel passiert ist, würden wir erhebliche Anpassungen an moderne Bedingungen erwarten“, sagt Olson. „Noch auffälliger ist, dass Römerstraßen bis heute zur Verdichtung von Städten und wirtschaftlichen Aktivitäten entlang ihrer alten Routen beigetragen haben – auch wenn diese Straßen längst verschwunden sind.“ Die Forscher fanden heraus, dass dies in Gebieten mit hoher Römerstraßendichte der Fall ist Das moderne Straßennetz ist dichter. Außerdem haben sich dort seit 500 n. Chr. mehrere Siedlungen entwickelt. Am überraschendsten ist, dass Wirtschaftsleistung und Wohlstand von 2010 bis 2020 immer noch die Infrastruktur Roms widerspiegeln.

Auch Lesen :  Neues Personal für Raumfahrt - «Es ist wichtig, dass die Schweiz einen Esa-Astronauten hat» - News

Auch interessant: Diese Verknüpfung gilt nur dort, wo der nachrömische Verkehr hauptsächlich mit Wagen und Fuhrwerken abgewickelt wurde. In Nordafrika und im Nahen und Mittleren Osten wurde das organisierte Transportsystem der Römer jedoch vom 4. bis 6. Jahrhundert wieder durch Kamelkarawanen ersetzt. Da hierfür keine Straßen benötigt wurden, spielten sie nach dem Ende des Römischen Reiches keine große Rolle mehr in der Infrastruktur, die sich in diesen Regionen entwickelte. “Straßen wurden irrelevant, und wir sehen dort nicht die gleiche Kontinuität des Wohlstands wie in den westlichen Teilen des Römischen Reiches”, sagt Olson. Die Ergebnisse tragen somit dazu bei, die Faktoren besser zu verstehen, die zu Entwicklungsunterschieden und deren Persistenz beitragen, so das Team.

Quelle: Schwedischer Forschungsrat, Artikel: Journal of Comparative Economics, doi: 10.1016/j.jce.2022.05.003

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button